Vom Experiment zum Liebhaber-Tipp- „Bericht zum Jubiläum”

Nordbayrische Nachrichten 31. Mai 2008

„Blaue Maus feiert Jubiläum: Vor 25 Jahren begann Robert Fleischmann mit der Whisky-Herstellung

von Jana Schneeberg

Am Anfang war es ein Experiment. Statt wie seine Brenner-Kollegen aus Pflaumen oder Kirschen Obstler zu machen, versuchte Robert Fleischmann aus Neuses es mit Malz. Das Experiment ist geglückt: Sein Malt Whisky ist in Kennerkreisen ein Geheimtipp. Nun feiert die „Blaue Maus“, die älteste deutsche Single Malt-Whisky-Destillerie, ihr 25-jähriges Bestehen.

Neuses – Mit Schnaps könne er nichts anfangen: Da bleibt Robert Fleischmann hart. „Ein Seidla Bier, ja, aber in seinem Leben habe ich noch keine zwei Flaschen Whisky getrunken.“ Natürlich hat er gekostet, müsse er ja. Aber mehr als ein Nippen am Glas ist das nicht. Beim Whisky verlässt er sich mehr auf sein Auge, seine Nase und seine Erfahrung.

Seit einem Vierteljahrhundert stellt Robert Fleischmann „Single Malt“ her. Auch wenn er seine ersten Versuche im Winter 1983 als eher kläglich bezeichnet, der 62-Jährige ist stolz darauf, durch Probieren selbst hinter die Geheimnisse des schottisch-irischen Nationalgetränks gekommen zu sein. „Es gab damals keine Beschreibung, wie man mit Malz als Schnapsbrenner umgehrt“, blickt er zurück und gibt zu: „Am Anfang hatten wir mehr Misserfolge und Steuern zu schultern, als dass uns der Whisky Geld gebracht hat“.
Trotzdem hat der „Berufseinsteiger“ nicht aufgegeben, hat über alle Versuche genau Buch geführt – und schließlich ein durchaus genießbares Wässerchen produziert. Und der gerlernte Bäcker hat eines festgestellt: „Die Schotten kochen auch bloß mit Wasser, hinter ihrem Whisky brauchen wir uns nicht zu verstecken“.

Zwölf Jahre im Eichenfass

1996, 13 Jahre nach dem ersten Versuchen begann Robert Fleischmann mit dem Verkauf seines „Piratenwhisky“. So taufte der leidenschaftliche Seefahrer-Fan, der dazu passend im Keller seines Hauses ein Lokal eingerichtet hat, den ersten Jahrgang. In seinem Lager hatte er zu diesem Zeitpunkt schon eine stattliche Anzahl an Eichenholzfässern liegen – in den ältesten reifte das gehaltvolle Gesöff seit mehr als zwölf Jahren. Darauf konnte er zurückgreifen, als Whiskyprofessor Walter Schobert die oberfränkische Kleindestillerie in sein Whisky-Lexikon aufnahm und die Nachfrage plötzlich rasant anstieg.
Mittlerweile können Fleischmanns – inzwischen sind auch Tochter Angelika und Sohn Thomas ins Geschäft eingestiegen – auf sechs Sorten des bernsteinfarbenen Getränks verweisen. Den Piraten-Whisky gibt es zwar seit einem Namensstreit mit den um die deutsche Konkurrenz besorgten schottischen Herstellern nicht mehr. Doch kauft die internationale Kundschaft auch gerne die „Blaue Maus“, den „Grünen Hund“ oder den „Schwarzen Pirat“ Und im Maische-Fass gärt zurzeit die Grundlage für den nächsten Jahrgang. Wenn am heutigen Samstag im Hof des ehemaligen Tabak-Geschäfts das 25-jährige Bestehen gefeiert wird, schmeißt Robert Fleischmann in der Brennerei die Destille an. Ob es gut wird, was er am heutigen Tag produziert, das wird er allerdings erst in ein paar Jahren erfahren.