„Das Whiskylexikon”

Fleischmann, Robert – Deutscher Whiskyhersteller, der im fränkischen Eggolsheim bei Forchheim zusammen mit seiner Frau tätig ist. Wie so viele im Frankenland haben auch die Fleischmanns das Recht, in begrenzter Menge und streng von den Behörden kontrolliert Brände herzustellen. Doch während ihre Kollegen diese Hausbrennrecht nutzen, um Obst und manchmal auch Korn zu destillieren, kamen die Fleischmanns schon 1983 auf die Idee, es einmal mit Whisky zu versuchen. Ob dabei die Nähe zu Bamberg mit seinem berühmten, aus gerauchtem Gerstenmalz hergestellten Rauchbier, dem „Schlenkerla”, eine Rolle gespielt hat, können die beiden heute nicht mehr sagen, sicher ist nur, dass sie damals wie heute von dort kein Malz bekommen.

Zwei Fässer von 1983 liegen noch immer in ihrem Keller, echter Single Malt, aus gemälzter Gerste, zweimal destilliert und lange gelagert. Sie wurden niemals abgefüllt, sondern sind nur für den Eigenbedarf bestimmt, allenfalls gute Freunde dürfen einmal kosten – um Robert Fleischmann und seiner Frau zu bestätigen, dass sie es waren, die in Deutschland zum ersten Mal ernsthaft Malt Whisky gemacht haben, Single Malt, wenn sie auch dieses Wort nicht verwendeten, als sie 1994 zum ersten Mal ihren Whisky abfüllten. Der stammte von 1986, war 8 Jahre im Eichenfass gereift und sie nannten ihn „Piraten Whisky” und einen „Pur Malt”, was manche vermuten ließ, es sei nur ein Vatted. Es war aber nur ein Druckfehler und nicht der erste auf einem Whiskyetikett. Das zeigt einen rudernden Piraten und der Flaschenhals ist mit einer starken Schnur umhüllt, was einen verwegenen Eindruck macht und sich nur mit der zweiten Leidenschaft Fleischmanns erklären lässt.

Er liebt die Seefahrt und hat zu Hause eine der Öffentlichkeit zugängliche Kneipe, die wie eine gemütliche Schiffskombüse eingerichtet ist. Nur zum Ausschank dort war sein Malt gedacht, aber dann wurde er entdeckt und ist jetzt auch anderswo zu bekommen. Den Namen haben die Fleischmanns geändert, es gibt jetzt den „Glen Blue” und den „Glen Mouse” die aus zwei verschiedenen Malzsorten gemacht sind. Mittlerweile liegen im Keller eine ganze Reihe von Fässern. Die letzten wurden im August und September 2002 gefüllt.

Die englischen Namen ließen freilich die omnipräsente Scotch Whisky Association nicht ruhen; sie verklagte den kleinen fränkischen Produzenten – angeblich, weil sie fürchtete, seine Jahresproduktion von einem oder zwei Fässern sei eine ernsthafte Gefahr für die schottische Konkurrenz. Die Fleischmanns gaben nach und nennen ihre Malts jetzt „Blaue Maus”, „Krottentaler”, „Schwarzer Pirat” und „Spinnaker”.
Nerabus, Isle of Islay, im April 2003
Walter Schobert

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