Der andere Teil Bayerns

Durch Internet oder Presse aufmerksam geworden, schrieb uns in dieser Zeit der Angestellte eines großen und sehr bekannten Feinkosthandels mit „Filiale“ im Bundestag in Berlin an. Auf seinen Wunsch hin sendeten wir Muster unserer fünf Sorten.

Nach sechs Wochen Schweigen fragte ich in der Firma nach. Man sei noch beim Verkosten der Proben. Dabei bemängelte man gleich noch die Bezeichnungen. Daraufhin bat ich um Namensvorschläge, da ihnen der Name Fleischmann wohl zu profan sei und ich „nur“ in Eggolsheim/Neuses an der Regnitz wohne und an keinem oberbayerischen Tümpel. Man konnte nicht und teilte mir mit, dass unsere Namen unter ihrem Niveau seien, das heißt, als Deutsches Erzeugnis in den heiligen Hallen des Bundestages nicht glänzend genug wären.

Mit den Mustern hätte ich wohl einem Anderen Gutes getan. So ist das eben. Die Verantwortlichen leiden offensichtlich an einer Art Münchner Höhenkrankheit. Wer daran leidet, begibt sich nicht in die Fränkische Provinz und ist auch nicht heilbar. Wenn diese Personen der englischen Sprache mächtig sind, sollten Sie einmal Fremdetiketten übersetzen.

Uns stört die Ablehnung nicht mehr weiter. Hauptsache ist, dass unser Whisky trinkbar ist und es neutrale und sachkundige Bewerter und Tester gibt. Deren Urteil ist für uns das Entscheidende und fordert uns dazu auf auch weiterhin gut zu arbeiten. Mit dem Bekanntwerden unserer Whiskyherstellung zogen natürlich weitere Brenner nach. Ebenso, wie für uns Racke-Rauchzart ein Vorbild war, waren wir nun zum Vorbild für sie geworden. Brennereien in Österreich, der Schweiz und den Niederlande folgten nach. Inzwischen stellen mindestens 70 Brenner in Deutschland ebenfalls Whisky her. Auch in der Fachliteratur hat sich einiges getan: Die Whiskyherstellung wird beschrieben und Anleitungen dazu sind zuhauf zu finden. Nur über das Lehrgeld, das wir noch anfangs zahlen mussten, erfährt man nichts.

Unumstritten ist der Vorsprung der Schotten und Iren, die den Whisky erfanden. Über Jahrhunderte konnten sie Erfahrungen sammeln, insbesondere über die richtige Lagerung des Whiskies. Das Wasser und das Klima üben natürlich auch einen Einfluss aus. Aber auch bei uns ist es so und es steht fest: Überall wird nur mit Wasser gekocht.

Schon im Jahr 1998 wurden wir gebeten, unsere Whiskies auf Messen vorzustellen. Doch mit was?

Hatten wir doch gerade einmal zwei gelungene Sorten gegen die Elefanten der Whiskybranche aufzubieten. Mit Erweiterung unserer Sortenpalette war es dann 2005 Zeit, an die Messeöffentlichkeit zu treten. Mit einem Stand waren wir auf dem Whiskyfestival in München vertreten, gewissermaßen als Franke in der Höhle des bayerischen Löwen und einziger deutscher Hersteller.

Sehr interessant und informativ, aber auch auf den Magen drückend, war die Arroganz einzelner Besucher. Dennoch hat es sein Gutes, auf Messe zu gehen. Man erfährt zum Beispiel, das jemand an einem oberbayerischen See Whisky kocht und ihn auf unredliche Weise bewirbt: „Erster und einziger Bayerischer Malt Whisky“.

Aus der „freundlichen Begegnung“ mit der Scotch Whisky Association und der damit verbundenen Wertlosigkeit zweier Patentamturkunden hatten wir gelernt, welche rechtliche Folgen es hat, etwas zu übersehen oder nicht darauf zu reagieren. Gewappnet mit dieser Erfahrung erfolgten unsererseits höfliche Anrufe beim Geschäftsführer der Firma Lantenhammer, Herrn Stetter. Außer leeren Zusagen, die falsche Aussage künftig zu unterlassen, wurde dadurch aber nichts erreicht. Daraufhin erhielt Herr Stetter zweimal eine schriftliche Aufforderung zur Unterlassung. Außer leeren Hinhalteantworten wurde wiederum nichts erreicht. Weitere höfliche Aufforderungen durch einen Rechtsanwalt folgten. Das Ergebnis war eine Narrenposse. Erst die Unterlassungserklärung durch einen Fachanwalt wurde binnen zwei Tagen akzeptiert und unterschrieben. Dass danach noch circa eine Woche auf unlautere Weise mit dem bekannten Spruch im Internet geworben wurde, ließe sich noch vertreten. Offensichtlich bereitete es jedoch der Firma Lantenhammer Vergnügen mit System weiterzumachen und uns zu drezen – also zu piesacken: Zwei Tage stand der „Erste und einzige Bayerischer Malt Whisky“ im Internet, dann war er wieder vier Tage draußen. Drei Tage drin, zwei Tage raus. In diesem Stil ging es zweieinhalb Monate lang. Auf anderen Internetseiten ließ man die Sache mit Doppelnamen wie Aquavit-Slyrs durchlaufen.

Auf englischen Seiten wurde so geworben und entsprechende Prospektwerbung wurde weiterhin so verteilt. Auf diese Art und Weise bettelte man geradezu um eine Klage und beschwerte sich nachfolgend auch noch, nicht ein siebtes Mal um Unterlassung gebeten worden zu sein, was das Gericht kurioserweise auch noch zum Teil anerkannte. Das alles war selbstverständlich mit gehörigen Rechtsanwalts- und Gerichtsgebühren verbunden. Aber wenn’s offensichtlich Spaß macht. Warum dann nicht auch die Unterlassungsstrafe zahlen. Der Schliersee liegt eben im Land der höheren Luft, erzeugt oft die oberbayerische Höhenkrankheit – manchmal unheilbar, denn man schaut auf Franken herab. So ist denn auch die Aussage in der Presse zu verstehen: „Er habe glatt übersehen das Franken zu Bayern gehört“.

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