Walter Schobert über den "Pur Malt"

 

Daß da einer mitten in Deutschland tatsächlich einen Maltwhisky macht, ist nicht ganz verborgen geblieben. Vom "Piraten Whisky" hatte mir ein Leser erzählt und, als ich ihm nicht glauben wollte, prompt eine Flasche geschickt. Pur Malt Whisky stand auf dem Label der 0,5 l Flasche, dass es ein deutsches Erzeugnis sei, hergestellt von Robert Fleischmann aus dem fränkischen Eggolsheim-Neuses, 40 % Alkohol enthalte, vom Jahrgang 1986 sei und unverschnitten. Eine Plakette bestätigte, daß der "Landesverband der Klein- und Obstbrenner Nord-Würtembergs" ihn bei seiner Branntwein-Prämierung 1995 "sensorisch geprüft" habe. Die Flasche, mit extrem langem Hals, war mit einem Holzpfropfen verkorkt, der durch eine dramatisch um den Hals geschlungene und mit rotem Siegellack verzierte Kordel gesichert war.

Das alles konnte meine Skepsis ebenso wenig überwinden wie die dunkle, rötlich-braun glänzende Farbe. Es war ja nicht das erstemal, daß auf einer deutschen Flasche etwas von Malt Whisky stand, was der Nachprüfung nicht standhielt: Der Old Master etwa, den die nach der Wende gerade wieder privatisierte Falckenthal & Söhne präsentierte, war aus Roggen und eben nicht aus Gerstenmalz, weswegen nach der aus Wettbewerbsgründen erzwungenen Namensänderung in Edel Falke vom reinen Malt auch nicht mehr die Rede war. Ob die zehn Flaschen "Der alte Falckner", den die Firma für Horst Kroll und seine Mannen vom Whiskyclub Kyrburg aus einem Faß von 1987 im Oktober 1994 mit 76 % abfüllten, tatsächlich die "einzigen deutschen Maltwhiskys" sind, kann man nicht mehr recherchieren: Falckenthal wurde von Berentzen geschluckt, und es gibt niemand mehr, der wirklich weiß, welche Ausgangsprodukte vor zehn Jahren und zu DDR-Zeiten wie verarbeitet worden sind.

Und Robert Fleischmann? Ein Besuch vor zwei Jahren in meiner fränkischen Heimat, in dem kleinen Weiler zwischen Forchheim und Bamberg, brachte schnell den Beweis, daß das einzige, was seinen Stoff vom schottischen Malt unterschied, nur das kleine e war, das er beim "pure" vergessen hatte. Wie viele Franken hat er ein Brennrecht, das ihm das Destillieren von wenigen hundert Litern im Jahr erlaubt. Am 19. Februar 1983 schon beschloß er, es auch einmal mit Whisky zu versuchen. Die zwei Fässer von damals liegen noch in seinem Keller, und während die Nachfolge-Jahrgänge als "Glen Mouse" und "Glen Blue" verkauft werden, sind die Reste seines Erstlings nur für wirklich gute Freunde und ihn selbst reserviert. Rund und mild, intensiv malzig und kräftig nach Eiche schmeckend, sind sie alten schottischen Malts aus Sherryfässern verwandt. Was fehlt, sind Torf und Rauch. Leider weigert sich die Rauchbierbrauerei im nahen Bamberg, Fleischmann zu helfen.

Aber daß ihm deswegen jüngst der Landesverband die Prämierung verweigert hat, weil das Fehlen von Rauch nicht sortentypisch sei, spricht nicht für die Prüfer. Die Herren haben keine Ahnung oder sind schlecht beraten. Bushmills oder Glengoyne werben sogar damit, daß sie "totally unpeated" sind! Im August konnte ich mich selbst davon überzeugen, daß Robert Fleischmann wirklich echten Malt produziert: Zusammen mit Otto Steudel von CELTIC und Helmut Bauer vom Nürnberger Ballantine's war ich eingeladen zuzuschauen, wie zwei Fässer 1997 gemacht wurden. Weil die deutsche Bürokratie immer dabei ist, wenn ein kleiner Brenner destilliert, und sogar die Zeiten genau vorschreibt, war es sehr früh, als Fleischmann mit seiner Frau das, feiner als in Schottland, gemahlene Malz in heißem Wasser einmaischte und nach einigen Stunden mit großen Eisbrocken blitzschnell herunterkühlte, um mit der Hefe die mehrtägige Gärung einzuleiten. Die Fleischmanns haben nur eine Still. Sie sieht eher aus wie eine Lomond-Still und destilliert kontinuierlich. Nach einem ersten Durchgang hat die Flüssigkeit 40 Prozent, der Middlecut des zweiten beginnt nach dem Vorlauf mit 83. 67/8 Prozent hat das, was schließlich ins Fass kommt, in ein neues, zum erstenmal verwendetes, sehr dichtes Eichenfass. Ihm verdankt der Fleischmann'sche Malt seine tolle Farbe - in zehn Jahren. Dann werden wir auch wissen, ob es gut war, was wir gemacht haben, an jenen heißen Augusttagen im Frankenland.

Die Bar, 06/97

 

 

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