Professor nicht nur für Whisky

 

NEUSES - Eine Art Geheimbund hat sich bei Familie Fleischmann in Neuses an dem heißen Augustvormittag getroffen. Unumstrittener Anführer ist Walter Schobert, in Kennerkreisen als Whisky-Professor bekannt. Der Mann, dem der Titel Professor wirklich zusteht, er hat eine Professur für Filmgeschichte an der Universität Heidelberg, kam, um die"Geburt" des einzigen deutschen Malt-Whisky zu erleben. Das Einmaischen des neuen Jahrgangs. Walter Schobert darf als der Entdecker des "Glen Mouse" (wir berichteten) gelten. So ist der Name des Fleischmann-Brandes. In seinen Fachbüchern machte der studierte Theologe das in Deutschland einmalige Produkt bekannt. Erfahren hat er davon durch einen seiner Leser aus Coburg. "Erst hab' ich es nicht geglaubt, dann hat der Leser mir eine Flasche geschickt" Da ihn der Inhalt überzeugte, vereinbarte der gebürtige Franke einen Termin mit den Fleischmanns. Seitdem werden sie und ihr "Glen Mouse" in seinen einschlägigen Werken erwähnt und das durchaus positiv.

Schobert erklärt seine Vorliebe für das samtbraune hochprozentige Getränk mit seiner Herkunft. Ich komme aus der Nachkriegsgeneration. Als Schüler und Student war Whisky ein Modegetränk, das tranken die Cowboys, das trank Humphrey Bogart, das tranken die Existentialisten. Wir gönnten es uns, wenn wir uns groß fühlen wollten!' Mit dem Malt habe er spätestens seit seiner Studienzeit in Rom "eine Welt entdeckt, die mich fasziniert". Im Verlauf vieler Jahre hat der heute 53jährige sich zum Spezialisten entwickelt. Seit er seit 1979 das deutsche Filmmuseum in Frankfurt leitet, hat er angefangen, Whisky zu sammeln. Inzwischen besitzt er eine komplette Sammlung mit Malts aller schottischen Brennereien. Über 1000 Flaschen, schätzt er, sind in seinem Besitz. Eine Zahl, die die MaltGemeinde bei Fleischmanns neidvoll aufstöhnen läßt. Und falls es möglich ist werden sie noch ein bisschen neidischer, als Schobert erzählt, daß er an der Universität Edinburgh einen Lehrauftrag habe, und so das Angenehme mit dem Nützlichen in Schottland verbinden könne. Für den Normalsterblichen aber bleibt ein Trost - ein Schluck "Glen Mouse" aus Neuses.

Beate Dietz, Nordbayrische Nachrichten, 13.08.1997

 

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