Der "Piratenwhisky" aus Franken
NEUSES. Die Kneipe von Thomas Fleischmann in Neuses bei Forchheim bedient fernab der Küsten jedes Klischee von Landbewohnern zum Thema "Hafenspelunke.". Schwere Schiffstaue halten die Bierbänke und dienen als Rückenlehnen, die Tische liegen auf gewaltigen Ankern, eine barbusige Meerjungfrau ziert die rustikale Theke. Wie es sich für eine echte Seefahrerkneipe gehört, lagert in den Regalen des Vorratskellers Hochprozentiges: Fässer mit purem Whisky aus hauseigener Produktion. Fleischmann ist der einzige Whisky-Brenner in Bayern. In ganz Deutschland hat er nur noch im Schwäbischen einen Kollegen. Die Seemannskneipe gab dem "Stoff" ursprünglich seinen Namen: "Piratenwhisky". "Durchaus trinkbar", urteilt ein Whisky-Lexikon. Lediglich aus Gerstenmalz, Hefe und Wasser darf das schottische Traditionsgetränk bestehen. "Das sind auch die einzigen Informationen, die man dazu kriegt", klagt Fleischmann. Ihrem Ruf als Geizhälse entsprechend hüten die Whiskybrenner aus den schottischen Highlands ihre oft jahrhundertealten Hausrezepte wie einen Schatz.
Nach dem Motto "Probieren geht über Studieren" stellt der 51jährige Oberfranke seit 1983 seinen fränkischen Whisky her, dabei hat er nach eigenen Angaben "viel Lehrgeld" zahlen müssen. "Gerade drauflos" habe er vor 13 Jahren eine geringe Menge destilliert und in einem speziell behandelten Eichenfaß eingelagert. "Dann haben wir den Whisky zwei Jahre lang völlig vergessen", ergänzt Ehefrau Anita lachend. Robert Fleischmann zeigt in seinem Vorratskeller den selbstgebrannten Whisky. Seit 1983 macht er den Schotten Konkurrenz. Als ein im nahen Bamberg stationierter US-Soldat den Inhalt des Fasses "lovely" fand, setzte Fleischmann seine Experimente fort. Dabei probierte er unterschiedliche Malzröstungen aus. "Erst nach der Destillation weiß ich, ob ein neues Rezept was taugt. " Mittlerweile schätzen Kenner aus ganz Deutschland die Produkte aus der kleinen Destillerie in Oberfranken.
Wie es sich für einen echten "Single Malt" gehört, sind auf jeder Flasche das Jahr der Herstellung, die jeweilige Faßnummer und das Abfülldatum vermerkt. Mindestens drei Jahre muß ein Whisky im Eichenfaß reifen. Um eigenen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, übt sich Fleischmann noch länger in Geduld. Frühestens nach acht Jahren oder nach genauer Prüfung auch schon mal eher, wird das hochprozentige Gebräu erstmals abgefüllt. Dabei wird nur soviel gezapft, wie gerade benötigt wird. Fast scheint es, als mag er sich von seinen hochprozentigen Schätzen nicht trennen: Lediglich ein Spirituosenhändler führt die fränkische Rarität in seinem Sortiment.


