Feuerschiff und Feuerwasser - da schwankt der ganze Regnitzstrand
Neuses an der Regnitz - Der kleine Tante-Emma Laden ist von außen ganz unscheinbar. Auch die dunkelgrüne Tür der Gaststätte "Zur blauen Maus" hat nichts Ungewöhnliches. Doch wer einmal dahinter schaut, der taucht in eine andere Welt ein. In der "Blauen Maus" wimmelt es von Seemanns-Sprüchen, Positionslampen, Flaggen. Denn der Wirt, Robert Fleischmann (51), war vor 25 Jahren bei der Marine, schwärmt heute noch vom Meer: "Ich liebe diese unendliche Weite, hab' lieber zehn Meter hohe Wellen um mich rum als Berge." Kein Wunder also, daß sich Fleischmann auch Seegang in die "Blaue Maus" holte: Er ließ das Steuerhaus des alten Feuerschiffs "Elbe 3" (lag als "schwimmender Leuchtturm" vor Cuxhaven, seit '91 im Hamburger Museumshafen) nach Neuses transportieren, stellte es auf Federn - damit es wie auf Wellen schwankt. Doch Fleischmann hat nicht nur eine ungewöhnliche Keller-Kneipe, sondern ein ebenso seltenes Hobby: Er ist Deutschlands einziger Whisky-Brenner. 1983 fing ich mit dem Destillieren an", erzählt er "ließ die ersten 50 Liter im Faß reifen. Dann machte ich jedes Jahr ein bißchen mehr." Glasklar sieht der edle Tropfen beim Abfüllen aus, die Bernstein-Farbe bekommt er durchs Holz der Eichenfässer. Nun, 14 Jahre später, ist die Zeit der Ernte gekommen. Zwei Sorten bietet der Wirt seinen Gästen an: "Glen Blue" und "Glen Mouse", einer würzig und herb, der andere weich und mild. Der Verkauf in Flaschen (rund 50 Mark) lief so gut an, daß er viel mehr hätte produzieren können. Dafür ist's nun zu spät - was jetzt frisch in die Fässer kam, wird erst 2008 zum Whisky. Und so hat Fleischmann eines erkannt: "Wenn ich nochmal auf die Welt komme, dann als Hellseher...".


