"Krottentaler" - ein neuer Streich der Blauen Maus
NEUSES - Der Schotte trinkt Whisky, der Franke trinkt Bier. Diese Regel gilt nicht mehr, seit sich im kleinen Neuses bei Eggolsheim Robert Fleischmann aufgemacht hat, einen fränkischen Malt-Whisky herzustellen. Und was die Schotten wirklich sauer macht, der Whisky aus der Destillerie "Blaue Maus" ist auch noch richtig gut.
Fleischmanns jünster Vorstoß gegen die schottische Bastion ist der "Krottentaler", benannt nach der Forchheimer Gemarkung und mit dem Forellen-Stadtwappen auf dem Etikett. 300 Liter des 6 Jahre alten "Krottentaler" hat Fleischmann jetzt im Angebot, geschätzt wird er von Liebhabern in ganz Europa. Über das Internet (www.fleischmann-whisky.de) hat sich die Qualität der fränkischen Marke schnell herumgesprochen.
Herumgesprochen hat sich dies auch bis in die großen Destillerien in Schottland. Dort ärgert man sich, dass Fleischmann es gewagt hat, einigen seiner Jahrgänge den Beinamen "Glen" (schottisch für Tal) zu geben. "Glen" sei schließlich ein schottisches Markenzeichen. Fleischmann erschüttert das nicht, sein Whisky soll seinen Siegeszug fortsetzen, deshalb hat er die beiden Namen "Glen Mouse" und "Glen Blue" beim europäischen Patentamt in München schützen lassen.
Ein bisschen vorsichtig ist er aber doch geworden und hat deshalb mit Bedacht für sein jünstes Produkt "Krottentaler" gewählt. Ist ja auch irgendwie ein Tal und deshalb passend zu dem feinen Hochprozentigen. Die ganze Aufregung kann der Neuseser aber nicht verstehen:"500 Millionen Liter Whisky machen die Schotten im Jahr, da kommt es doch auf meine 300 Liter gar nicht an."
Vielleicht hat er die Inselbewohner aber auch bei Ihrer Ehre erwischt, denn um den Whisky aus dem Ursprungsland scheint es nicht zum Besten zu stehen. Wie das Fachblatt "Whisky Watch" schreibt, seien dort schon Panscher erwischt worden, die Farbstoffe zusetzen, um den honigfarbenen Ton zu erzielen. "Bei mir kommt die Farbe durch das Fass", sagt Fleischmann gelassen.
Mann im Kilt
Nicht ganz Schottland hat sich aber gegen Fleischmann verschworen. In der Kellerkneipe "Zur blauen Maus" seines Sohnes Thomas ist bereits ein Schotte, natürlich im Rock, gesichtet worden, der den fränkischen Malt genoss. "Sehr trinkfest", wie Vater Fleischmann nicht ohne Respekt berichtet. Voll des Lobes sei der Mann im Kilt gewesen. Auch Whisky-Sammler aus Glasgow, die einem Club der Freunde des edlen Drinks angehören, haben größtes Interesse gezeigt. Es sieht ganz danach aus, ale könnte der Oberfranke Fleischmann doch noch Schotte ehrenhalber werden.
Whisky-Trinken hat nichts mit Sich-Betrinken zu tun, davon ist Fleischmann überzeugt. Es ist Kult. Davon möchte er auch Forchheims Oberbürgermeister Franz Stumpf überzeugen, denn zum Dank für das Verwenden des Stadtwappens wird er ihm ein paar Fläschchen überbringen. Obwohl anzunehmen ist, dass genauso wie bei Destillateur Fleischmann selbst, der Spruch "Der Franke trinkt Bier" doch irgendwie seine Bestätigung behalten wird.
Beate Dietz, Nordbayrische Nachrichten - Nürnberg", 30.11.2000


