GlenMouse aus dem Eichenfass

 

EGGOLSHE1M - Werbung hat er nie dafür gemacht - der Neuseser Robert Fleischmann. Regelmäßig davon trinken kommt für ihn gar nicht in Frage, aber er ist dennoch mächtig stolz auf den Inhalt seiner Eichenfässer. Robert Fleischmann ist der einzige Deutsche, der sich an das Brennen des typisch irisch/schottischen Getränkes Malt Whisky gewagt hat. In Liebhaberkreisen hat er sich damit einen Namen gemacht, in einschlägigen Fachbüchern fehlt der Hinweis auf die kleine Brennerei in Neuses nicht.

Vor 13 Jahren hat Fleischmann seinen ersten Versuch gestartet. Lange vor der Reifezeit, Minimum sind acht Jahre, hat der Brenner Kenner probieren lassen. Die sagten nach zwei Jahren Ruhe im Eichenfaß, so erinnert sich Fleischmann heute. "Paßt scho". So ermutigt, wurde weitergemacht. Geträumt hat Robert Fleischmann vom Herstellen des Drinks für harte Männer schon früher. Als er 1980 die Lizenz zum Brennen erhielt, er produziert auch vielfach prämiierte Obstwässer, dachte er an etwas Besonderes. "Den Tipp hat mir ein Bekannter gegeben", sagt er, denn Fleischmann wollte etwas machen, was es in Deutschland noch nicht gibt. Seine erste Schwierigkeit begann dann bei der Suche nach dem Grundstoff Malz. Es gibt kaum Mälzereien, die von ihrem Kornprodukt abgeben; sie sind Exklusiv-Lieferanten der Brauereien und letztere wollen sich bei ihrer Malz-Mischung nicht in die Karten schauen lassen. Robert Fleischmann hat schließlich nach langen Nachfragen eine Mälzerei ausfindig gemacht, deren Namen er bis heute geheim hält.

Ohne Anleitung und ohne Fachbücher machte er sich gemeinsam mit Ehefrau Anita ans Werk. Es hätte schief gehen können, dann hätten wir halt umsonst was investiert", meint er. Inzwischen ist der Malt, mittlerweile, hat er auch einen Namen, Glen Mouse (frei übersetzt "Maustaler") in einschlägigen Kreisen bestens bekannt. Walter Schobert, in der Gemeinschaft der Malt-Trinker gilt er als der Whisky-Papst, ansonsten ist er Leiter des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt, hat sich höchstpersönlich in die fränkische Provinz begeben, um Glen Mouse zu testen. Beim nächsten Einmaischen und Destillieren bei den Fleischmanns will er sogar persönlich dabei sein, außerdem hat er die Fleischmanns zu einer Whisky-Reise durch Schottland eingeladen.

Anfragen nach Glen Mouse kommen aus ganz Deutschland, selbstverständlich wird dann das Fläschchen verschickt. Ein norddeutscher Händler, der die ganze Produktion aufkaufen wollte, allerdings erhielt eine Abfuhr. Massenware ist schließlich nicht Fleischmanns Ding. So muß, wer den Malt persönlich kaufen will, sich schon nach Neuses/Eggolsheim bemühen, dort im Gemischtwarenladen des Ehepaars Fleischmann ("Leben können wir von den Whisky nicht") stehen die Flaschen mit der goldbraunen Füllung schön säuberlich im Regal. Nur ein einziges anderes Geschäft in Deutschland verkauft Glen Mouse. Es ist das Spezialgeschäft "Celtic" in Nürnberg. Der Inhaber Otto Steudel gilt ebenfalls als exzellenter Kenner und er beschreibt den Neuseser Brand in seinem Katalog so: Sehr interessanter Malt Whisky, der in Eichenfässern gereift ist, sehr voller Geschmack mit vielen Nuancen, sehr kräftige Farbe, schmeckt nach dem zweiten Schluck immer besser." Doch selbst im "Celtic" gibt es eines nicht, den allerersten Neuseser Whisky aus dem Jahr 1983. "Den verkauf ich nicht, den heb ich auf und probieren darf nur, wer ganz brav ist" sagt Robert Fleischmann und meint noch "Ich probier selbst gern, aber nur um zu sehen, wie sich ein Fass entwickelt." Es ist eben alles Geschmackssache und Werbung ist sowieso nicht Robert Fleischmanns Sache.

Beate Dietz, Nordbayrische Nachrichten, 26.04.1997

 

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