Piratenwhisky
Fragt man einen Whisky-Trinker oder Sammler nach deutschen Whiskys, bekommt man spontan die Antwort "Racke". Nach einer Weile kommt dann, ach ja, da gab es mal den "Jacob Stück Whisky", ach ja und den "Falkner" aus der ehemaligen DDR.
Dass es einen deutschen Pure Malt Whisky gibt, der sich früher laut Prof. Walter Schobert (auch als Whisky-Papst bekannt) nur durch das fehlende "e" (Pur) vom schottischen Single Malt unterscheidet, ist schon bemerkenswert und dies wissen die wenigsten.
Deutschland ist nun mal kein Whiskyland, obwohl dieser zu jeglichen Anlässen hier getrunken wird. Bekannter sind in Deutschland Bier, Korn und Obstbrand. Um so erstaunlicher ist es, dass es schon zwei Jahrzehnte eine deutsche Brennerei gibt, die nach schottischem Vorbild Malt Whisky herstellt.
Angefangen hat es am 19. Februar 1983 in einem kleinen Ort namens Neuses zwischen Forchheim und Bamberg. Robert Fleischmann, der die Lizenz zum Brennen besitzt, wurde von einem Freund auf die Idee gebracht, einmal Whisky statt Obstbrand für den Eigenbedarf zu brennen.
Aus Gerstenmalz, Hefe und Wasser, woraus das schottische "Uisge Beatha" (Wasser des Lebens) hergestellt sein darf, brannte der Franke Fleischmann eine geringe Menge und lagerte diese in einem speziell behandelten Eichenfass ein. Zwei Jahre wurde dieses Fässchen fast vergessen, bis man bei einer Probe feststellte, dass der "Stoff" durchaus genießbar war.
Heute ist Robert Fleischmann stolz darauf, dass er seinen Malt-Whisky, der mindestens 6-8 Jahre lagert, somit an Aroma und Geschmack gewinnt, als Single Malt Whisky bezeichnen kann. Bei ihm wird kein Fass mit dem anderen vermischt. Dies führt zwar zu kleinen Unterschieden im Geschmack, hat jedoch keinerlei Qualitätseinbuße, sondern im Gegenteil: Jedes Fass hat seinen eigenen Jahrgangsreiz.
Die verschiedenen Malzsorten stammen alle aus Deutschland und werden selbst gemaischt und destilliert - wie es in Schottland und Irland üblich ist. Der Whisky wird in neuen Eichenfässern gelagert. Es sind Einzelfassabfüllungen, genau genommen: Single Cask Bottings. Er wird im Gegensatz zu vielen schottischen Standard-Malts nicht gefärbt und auch nicht kältegefiltert. Als Einzelfassabfüllung und auf Grund der geringen Menge können sich die Abfüllungsdaten und Fassnummern sehr schnell ändern.
Doch bevor es zu einem so guten Malt Whisky kam, für den es immerhin die Auszeichnung des Landesverbandes der Klein- und Obstbrenner Nord-Württemberg e.V. in Bronze, Silber und auch in Gold gab, mußte Robert Fleichmann viel probieren und Lehrgeld bezahlen. Seinem Motto üben, üben und nochmals üben hat er es heute zu verdanken, dass er einem von der Insel kommenden Malt durchaus Paroli bieten kann.
Doch kommen wir zurück zur Entstehung. Nachdem der erste Whisky gebrannt war und als durchaus trinkbar eingestuft wurde, galt es für diesen einen Namen zu finden. Da die Kinder Thomas und Petra Fleischmann auch das Lokal "Zur blauen Maus" betreiben, welches rustikal ganz auf Seemannsidyll eingerichtet ist, (Robert Fleischmann und Sohn Thomas fuhren während ihrer Marinezeit früher mal zur See) war es naheliegend, dass das erste rauhe Gesöff (im Seemannsjargon) "Piraten Whisky" genannt wurde.
Anläßlich der Namensgebung der Destillerie "Blaue Maus" kommen 4 neue Whisky-Sorten auf den Markt: der "Schwarze Pirat" , der "Krottentaler", der "Spinnaker" und natürlich die "Blaue Maus".


